Fünf Fehler im schwierigen Gespräch und wie Sie sie vermeiden
Verhandlung, Konfliktgespräch, Gremiensitzung: Wo anspruchsvolle Gespräche im Rollenspiel typischerweise kippen, und welche kleinen Gewohnheiten das Gespräch wieder in ruhige Bahnen lenken.
Dr. Katharina Brandt · · 4 Minuten Lesezeit

Was wir in den Rollenspielen immer wieder sehen
Wer in unseren Rollenspielen eine Verhandlung oder ein Konfliktgespräch führt, macht selten grobe Fehler. Es sind kleine, wiederkehrende Muster, die im Alltag unbemerkt bleiben und erst im Feedback sichtbar werden. Ein Satz zu viel, eine Pause zu wenig, ein Einwand, der überhört wird.
Ich habe über die Jahre fünf Muster gesammelt, die bei Führungskräften und Fachleuten gleichermaßen auftreten. Keines davon hat mit mangelnder Kompetenz zu tun. Meist sind es Gewohnheiten, die sich in Sitzungen bewährt haben, im anspruchsvollen Gespräch aber das Gegenteil bewirken.
Die folgenden Abschnitte beschreiben diese Muster der Reihe nach und nennen jeweils eine Übung, die Sie ohne Vorbereitung im nächsten Termin ausprobieren können. Sie ersetzen kein Training mit Feedback, geben aber eine Richtung.
Fehler 1: Das eigene Ziel bleibt unausgesprochen
Viele gehen in ein Gespräch, wissen aber nur ungefähr, was sie am Ende erreicht haben wollen. Das Ergebnis ist ein Gespräch, das sich im Detail verliert. Das Gegenüber spürt die Unschärfe und besetzt die Lücke mit eigenen Zielen.
Formulieren Sie vorab in einem Satz, was nach dem Gespräch anders sein soll. Nicht die Position, sondern der Zustand: eine Entscheidung, eine Klärung, ein nächster Schritt mit Termin. Schreiben Sie diesen Satz auf und legen Sie ihn sichtbar neben Ihre Unterlagen.
Im Rollenspiel fällt auf, wie sehr dieser eine Satz die Wortwahl verändert. Wer sein Ziel kennt, unterbricht seltener, fragt gezielter nach und erkennt früher, wann ein Nebenschauplatz keinen Beitrag leistet.
- Ziel als Zustand formulieren, nicht als Forderung
- Einen Satz notieren, nicht eine Seite
Fehler 2: Zu früh antworten
Der zweite Fehler betrifft das Tempo. Sobald ein Einwand fällt, setzen viele zur Antwort an, noch bevor der andere ausgesprochen hat. Innerlich ist die Entgegnung längst fertig, doch sie beantwortet oft eine andere Frage als die gestellte.
Eine kurze Pause nach dem letzten Wort des Gegenübers wirkt dagegen souverän. Sie gibt Ihnen Zeit, den Einwand zu ordnen, und zeigt dem anderen, dass er gehört wurde. Zwei Sekunden genügen, sie fühlen sich länger an, als sie sind.
Üben Sie, den Einwand in eigenen Worten zurückzugeben, bevor Sie antworten: Wenn ich Sie richtig verstehe, geht es Ihnen um die Frist. Erst danach folgt Ihre Position. Dieser Umweg spart im Ergebnis meist Zeit.
Fehler 3: Argumente aufhäufen statt ordnen
Unter Druck neigen wir dazu, alle Gründe auf einmal zu nennen. Fünf Argumente in einem Atemzug sollen überzeugen, schwächen aber das stärkste, weil es zwischen den anderen untergeht. Das Gegenüber greift dann das schwächste heraus.
Wählen Sie stattdessen ein Hauptargument und ein stützendes Beispiel. Mehr braucht ein Gespräch selten. Wird nach weiteren Gründen gefragt, haben Sie sie in der Hinterhand, ohne sie vorab ausgebreitet zu haben.
Das ist Handwerk des strukturierten Denkens, angewandt auf das Sprechen in Echtzeit. In den Rollenspielen lassen wir deshalb jede Antwort mit der Kernaussage beginnen und erst dann begründen.
- Kernaussage zuerst, Begründung danach
- Ein Beispiel genügt
Fehler 4: Auf Spannung mit Härte oder Rückzug reagieren
Wird ein Gespräch angespannt, gibt es zwei verbreitete Reflexe: lauter und schneller werden oder sich zurückziehen und zustimmen, um Ruhe zu haben. Beides kostet Verhandlungsspielraum, das eine durch Eskalation, das andere durch vorschnelles Nachgeben.
Hilfreich ist es, die Spannung zu benennen, ohne sie zu bewerten: Wir sind an einem Punkt, an dem unsere Sichtweisen auseinandergehen. Das nimmt Druck heraus und macht aus dem Konflikt eine gemeinsame Aufgabe.
Auch Ihre Stimme trägt dazu bei. Ein etwas langsameres Tempo und ein tieferer Atem wirken im Raum stabilisierend, unabhängig vom Inhalt. Im Rollenspiel kehren wir diese Momente absichtlich herbei, damit der Ablauf vertraut wird.
Fehler 5: Das Gespräch endet ohne Vereinbarung
Viele Gespräche verlaufen konstruktiv und enden doch im Ungefähren. Man verabschiedet sich mit gutem Gefühl, doch niemand weiß später genau, wer was bis wann übernimmt. Die Folge ist ein zweites Gespräch über das erste.
Reservieren Sie die letzten Minuten für eine knappe Zusammenfassung: Entscheidung, Verantwortlicher, Termin. Sprechen Sie sie selbst aus und bitten Sie um Bestätigung. Das dauert eine Minute und ersetzt oft ein ganzes Nachfassen.
In Gremiensitzungen gilt dasselbe in größerem Maßstab. Wer den Schlusssatz formuliert, prägt, woran sich alle erinnern. Auch das lässt sich üben, am besten mit Rückmeldung von außen.
- Entscheidung, Zuständigkeit, Termin nennen
- Bestätigung ausdrücklich einholen
Keiner dieser fünf Fehler ist ein Makel, alle sind Gewohnheiten, und Gewohnheiten lassen sich ändern. Beginnen Sie mit einem einzigen Punkt, etwa der Pause vor der Antwort, und beobachten Sie in den kommenden Wochen, was sich im Gespräch verschiebt. Im Rollenspiel mit Feedback sehen Sie schneller, welche Muster Ihre eigenen sind, und können gezielt daran arbeiten.
Schreiben Sie uns
Schreiben Sie uns: [email protected]